Wie lange braucht man, um eine Software zu entwickeln?

Diese Frage wurde in unserer Podiumsdiskussion im Workshop „Startups vs. etablierte Unternehmen – wer digitalisiert intelligenter?“ aus dem Publikum gestellt. Die Frage nach dem Aufwand (Kosten/Dauer) von Digitalisierungsprojekten sollte sich jedes Unternehmen vor der tatsächlichen Investition stellen und mit dem prognostizierten Nutzen abwägen. Natürlich lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten, wenn keinerlei Informationen zur gewünschten Software vorliegen. Die Art wie die Frage formuliert wurde, zeigt uns aber auch eines deutlich auf: Viele mittelständische Unternehmen verfügen nicht über die IT-Kompetenz derartige Fragen selbst zu beantworten. Im Folgenden wollen wir aufzeigen, wie das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Magdeburg hier konkret helfen kann.

Workshop “Startups vs. etablierte Unternehmen – wer digitalisiert intelligenter?

Unternehmen lernen am besten von anderen Unternehmen: In unserer Workshop-Reihe „Startups vs. etablierte Unternehmen – wer digitalisiert intelligenter?“ bringen wir erfahrene Unternehmen mit unserem mittelständischen Publikum zusammen. Im ersten Workshop am 21. Juni im Rahmen der Wissenschaftstage des Fraunhofer IFF fanden je drei Startups und drei etablierte Unternehmen zusammen. In 15minütigen Kurzpräsentationen konnten die sechs Unternehmen Einblick in ihren Digitalisierungsansatz geben. In der anschließenden Podiumsdiskussion konnten Erfahrungen ausgetauscht werden. Dabei wurden bspw. folgende Fragen besprochen:

Was waren die größten technischen Herausforderungen?

Interessanterweise konnten die Unternehmen hier keine konkreten technischen, sondern eher kommunikative Probleme nennen. Alle sechs Unternehmen haben ihre Digitalisierungslösungen intern, d.h. mit einem eigenen Entwicklerteam, entwickelt. Dabei wurde die Kommunikation mit den IT-Fachleuten als Herausforderung wahrgenommen. Die Fachexperten oder späteren Anwender der Lösung sprechen eine ganz andere Sprache als die IT-Entwickler. Zunächst musste also ein Verständnis für den Anwendungsfall bei den Entwicklern geschaffen werden, welches bei den Anwendern implizit vorhanden ist. Aufgrund unterschiedlicher Fachbegriffe oder als selbstverständlich angenommener Annahmen ist es schwierig zu einem gemeinsamen Verständnis zu kommen. Die interdisziplinäre Kommunikation ist aufgrund „unterschiedlicher Sprachen“ und Gepflogenheiten kein leichtes Unterfangen. Das Bewusstsein über diese Schwierigkeiten und die Planung von Zeit für die Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses ist dabei ein erster Schritt. Dies gilt bei der Zusammenarbeit mit einem externen IT-Dienstleister umso mehr.

Prof. Ortmeier von der Otto-von-Guericke-Universität hält für das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum in verschiedenen Veranstaltungen den Vortrag „Hilfe mein IT-Dienstleister spricht nur Latein“ und erklärt für den Anwender kryptisch erscheinende Begrifflichkeiten anschaulich und nachvollziehbar. Sie möchten beim nächsten Vortrag dabei sein? Kontaktieren Sie uns oder abonnieren Sie unseren Newsletter.

Wie viele Softwareentwickler braucht man denn?

Diese Frage nach der Anzahl benötigter Softwareentwickler ist ebenfalls nicht einfach pauschal zu beantworten und richtet sich auch hier wieder nach dem Umfang der erwarteten Softwarelösung und bestehender Vorarbeiten. Dennoch war die einhellige Meinung unserer sechs Unternehmen, dass man intern mit mindestens zwei Entwicklern starten sollte. Ein Entwickler schmort schnell im eigenen Saft. Ein Team aus zwei Entwicklern kann sich gegenseitig inspirieren und hinterfragen. In der heutzutage zumeist angewandten „agilen Softwareentwicklung“ wird daher oft auch in 2er-Paaren programmiert (so genanntes Pair Programming). Dabei wechseln sich die Programmierer in kurzen Zeitintervallen jeweils ab. Ein Entwickler programmiert, der andere schaut über die Schulter und hinterfragt Lösungsansätze oder gibt Verbesserungshinweise.

Aus Sicht unserer Referenten ist es extrem wichtig, eine Person zu haben, die die IT-Entwickler in die richtige Richtung steuern kann und ein großes Gesamtbild vor Augen hat. In der agilen Softwareentwicklung kommt diese Rolle dem Produkteigner (engl. Product Owner) zu. Dieser verwaltet die Anforderungen und priorisiert, welche Anforderungen zuerst umgesetzt werden sollen. Außerdem ist er für die Abnahme der Funktionalität der Softwarefragmente die nach jedem Entwicklungszyklus (auch Sprint genannt) verantwortlich. Bei der Zusammenarbeit mit einem IT-Dienstleister ist der Produkteigner im Idealfall Teil der eigenen Organisation. Die bedeutet jedoch, dass ein gewisses Maß an Verständnis für die Prozesse der agilen Softwareentwicklung vorhanden sind.

Agile Softwareentwicklung, Pair Programming, Product Owner oder Sprint sind für Sie Fremdwörter? Kein Problem, unsere Experten von der Otto-von-Guericke-Universität können helfen. Wir bieten mit dem Workshop „Agiles Projektmanagement“ genau das Richtige für Sie an. Erfahren Sie, was agile von traditioneller Softwareentwicklung unterscheidet und was Unternehmen in der Zusammenarbeit mit agil arbeitenden IT-Dienstleistern wissen müssen. Sie möchten beim nächsten Workshop dabei sein? Kontaktieren Sie uns oder abonnieren Sie unseren Newsletter.

Was würden Unternehmen rückwirkend anders machen? Was würden Startups anderen empfehlen?

Gegen Ende unseres Workshops wollten wir von unseren Referenten wissen, was sie beim nächsten Projekt anders machen würden. Eine interessante Erfahrung war, bei der eigenen Entwicklung von Software nicht nur auf Studenten oder Hochschulabsolventen setzen. Es ist zwar ein gängiger Weg über Praktika, Studierendenjobs oder Abschlussarbeiten grundlegende Fragestellungen wissenschaftlich beleuchten zu lassen und Entscheidungen vorzubereiten. Bei der Entwicklung von Software ist jedoch ein gewisses Maß an Erfahrung notwendig.

Eines unserer befragten Unternehmen hat die schmerzliche Erfahrung gemacht, dass bei der Weiterentwicklung von Standardsoftware am Ende „drauf gezahlt wurde“. Softwaresysteme sind oftmals komplexe Produkte bei denen Anpassungen an einer Stelle Auswirkungen an anderer nach sich ziehen, die nicht immer von vornherein bedacht werden. Gerade wenn der Softwarecode nur rudimentär bekannt ist, ist eine verlässliche Aufwandsschätzung unmöglich.

Ein weiterer, ganz pragmatischer Tipp: Früh testen und potenzielle Kunden frühzeitig einbeziehen. Gerade der erste Punkt ist auch in der agilen Softwareentwicklung ein zentraler Punkt! Apropos Kunden einbeziehen: einige unserer Beispielgebenden Unternehmen haben nicht nur eine Software entwickelt, sondern ihr Geschäftsmodell verändert.

Wie sind Sie die Veränderung des Geschäftsmodells angegangen?

Wichtig war für unsere Unternehmen, die „Schmerzen“ beim Kunden zu analysieren und zu verstehen, um das eigene Geschäftsmodell weiter zu entwickeln. Die Firma TinkerToys hat dafür die so genannte Business Model Canvas und weiterführende Methoden genutzt. Mit der Business Model Canvas-Methode lässt sich das bisherige Geschäftsmodell strukturiert beschreiben. Im zweiten Schritt können dann Elemente Geschäftsmodells identifiziert werden, bei denen die Digitalisierung sinnvoll erscheint.

Die Business Model Canvas steht im Fokus der Workshops des Fraunhofer IFF „Geschäftsmodelle systematisch entwickeln – Grundlagen“. Lernen Sie an bekannten Geschäftsmodellen die Anwendung der Methode kennen und übertragen sie die Erfahrungen auf Ihr eigenes Geschäftsmodell. Gemeinsam mit den anderen teilnehmenden Unternehmen identifizieren wir digitalisierungsfähige Bestandteile Ihre Geschäftsmodells. Sie möchten beim nächsten Workshop dabei sein? Kontaktieren Sie uns oder abonnieren Sie unseren Newsletter.

Dankeschön!

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Teilnehmenden bedanken, die unsere Podiumsdiskussion mit interessanten Fragen bereichert haben. Wir bedanken uns außerdem herzlich bei unseren Referenten, die uns Einblicke in ihre Digitalisierungsansätze gegeben haben:

  • René Gröger, i-Bring GmbH, Magdeburg (Vortrag „i-Bring – Digitale Auftragssteuerung und Kommunikation auf der letzten Meile“)
  • Dr. Harald Hempel, DAKO GmbH, Jena (Vortrag „Vom Fahrtenschreiber zum digitalen Geschäftsmodell“)
  • Dr. Chris Rehse, neotiv GmbH, Magdeburg (Vortrag „Arbeit in weltweit verteilten Teams effizient organisieren – Erfahrungen eines StartUps der Medizintechnikbranche“)
  • Sebastian Friedrich, TinkerToys GmbH, Magdeburg (Vortrag „Digitalisierung des Geschäftsmodells für individuelles Spielzeug“)
  • Bernd Salfeld, Relaxdays GmbH, Halle (Vortrag „Relaxter Onlinehandel dank digitaler Prozesse“)
  • Dr. Karsten Königstein, Sinfosy GmbH, Wildau (Vortrag „Digitalisierung in wenigen Minuten – Industrie 4.0 mit handelsüblichen Endgeräten macht es möglich“)

In 2019 gehen wir in eine neue Runde! Sie wollen Ihre Geschichte erzählen? Dann gleich anmelden!

Anmeldung für das Format "StartUps vs. Etablierte Unternehmen"